Foto: Benjamin Glöckner
Noch nie hatte ich in meinem Leben etwas gewonnen. Umso glücklicher war ich, als ich diese Nachricht vom Webmaster von petergabriel.com in meinem Postfach hatte: „Congratulations, you have won a pair of tickets for Peter Gabriel’s warm-up show on Saturday March 20th at 8pm at Studio 104 – Radio France in Paris.“ Und alle so: Yeah!
Peter Gabriel startete dort seine „New Blood“-Tour, mit der er sein neues Album „Scatch my back“ promotet. Das enthält keine typischen Gabriel-Kompositionen, sondern Cover-Versionen von Songs von Künstlern wie Paul Simon, David Bowie oder den Talking Heads. Die Titel wurden komplett neu arrangiert und nur mit einem Orchester eingespielt, so dass man die Originale fast nicht wieder erkennt. Gabriel begibt sich damit auf ein völlig neues Terrain, an das man sich als Fan – zumindest ich – erst mal gewöhnen muss.
Doch nun zum Konzert. Das Studio 104 in Paris ist ein relativ kleiner Saal. Ich schätze, dass dort ca. 600 Menschen rein passen. Die Gewinner wurden in den unteren Teil des Studios gelassen, so dass ich einen Platz ziemlich nah an der Bühne ergattern konnte und das exklusive und fast drei Stunden lange Konzert mit perfekter Übersicht und gutem Sound genießen konnte.
Die erste Stunde
Die erste Stunde war dabei komplett dem neuen Album gewidmet. In der gleichen Reihenfolge wie auf der CD spielte das Philharmonieorchester von Radio France mit Peter und den beiden Backgroundsängerinnen Ane Brun und Gabriels Tochter Melanie die Stücke wirklich dermaßen gut nach, dass man meinen könnte, die CD zu hören. Aber glücklicherweise – man will auf einem Live-Konzert ja keine Retorten-Schlacht – schafften es Gabriel und das Orchester ordentlich Druck aufzubauen, der den Liedern viel Leben einhauchte. Gabriels Version von „My Body Is A Cage“ – im Original von Arcade Fire – wurde so zum absoluten Höhepunkt des ersten Teils. Dennoch hielt sich Gabriel während der ersten Stunde fast komplett im Hintergrund. Keine Show, keine großen Gesten. So wie man den Ex-Genesis Frontmann eben überhaupt nicht kennt. Die Musik und das Orchester waren hier der Star.
Dies sollte sich jedoch im zweiten Teil des Warm-Up-Konzerts, das fast ohne größere Fehler ablief, grundlegend ändern. Peter Gabriel kündigte schon vor der Pause an, dass gleich alte Stücke folgen würden, was das Publikum mit viel Applaus quittierte. Und auch Gabriel schien sich mit seinen eigenen Kompositionen wohler auf der Bühne des Studios 104 zu fühlen. Show-Elemente, z.B. bei „San Jacinto“, und ein aktiverer Sänger, bei „Solsbury Hill“ und „In Your Eyes“, ließen die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Dazu konnte man noch die alten Stücke im neuen philharmonischen Gewand völlig neu entdecken. Teilweise vergingen viele Sekunden, bis man den Titel erkannte. Spannend!
Gänsehaut
Der Höhepunkt im zweiten Teil war ganz klar „The Rhythm Of The Heat“, das normalerweise durch Trommeln und Schlagzeug erst seinen Glanz erhält. Aber die Bearbeitung für das Orchester war dermaßen gut, dass sich Gänsehaut einstellte. Ebenfalls großartig war das Duett „Don‘t Give Up“, bei dem Ane Brun den Part von Kate Bush übernahm. Die norwegische Liedermacherin konnte mit ihrer Interpretation des Refrains und ihrer außergewöhnlichen Stimme bei mir punkten.
Probleme hatte ich jedoch mit der Leistung von Melanie Gabriel. Sie durfte z.B. „Washing Of The Water“ komplett alleine singen, konnte dabei aber leider gar nicht überzeugen. Es ist zwar nett, dass der Vater seine Tochter unterstützt, aber das tut einem solchen Konzert nicht gerade gut.
Dennoch war das Konzert für mich ein unvergessliches Erlebnis. Ich war so nah dran, konnte als erster auf der Tour die neu arrangierte Titel hören und das auch noch in Paris… einfach genial gut. Leider konnte ich keine Bilder machen, weil die französischen Sicherheitskräfte aufgepasst haben wie die Schießhunde. Aber das war mal ganz entspannend.
Hier die komplette Setlist:
Heroes
The Boy In The Bubble
Mirrorball
Flume
Listening Wind
The Power Of The Heart
My Body Is A Cage
The Book Of Love
I Think It’s Going To Rain Today
Après Moi
Philadelphia
Street Spirit (Fade Out)
Pause
San Jacinto
Digging In The Dirt
Wallflower
Downside Up
Rhythm Of The Heat
Blood Of Eden
Signal To Noise
Washing Of The Water (Solo Melanie Gabriel)
Darkness
Solsbury Hill
In Your Eyes
Don’t Give Up (Duett mit Ane Brun)
The Nest That Sailed The Sky


Während sich der ein oder andere Blogger ganz Twitter verschrieben hat, konnte ich mich nicht ganz von meinem Blog verabschieden. Darum gibt es hier ab jetzt Twitter + Blog! Viel Spaß!