Film Archiv

Gesehen: WALL-E

Foto: Benjamin Glöckner

Nachdem die Menschen die völlig zugemüllte Erde mit dem riesigen Raumschiff Axiom verlassen haben, sollen eigentlich Roboter die verdreckte Heimat wieder bewohnbar machen. Doch 700 Jahre später ist von den automatischen Abfalllogistikern nur noch der kleine WALL-E übrig, der im Laufe der Zeit eine menschliche Persönlichkeit entwickelt hat und mittlerweile unter echter Einsamkeit leidet. Das ändert sich jedoch, als die weiße, hochglanzpolierte Roboterdame EVE auf der Erde landet und WALL-E gehörig den Metallkopf verdreht…

Regisseur Andrew Stanton hat mit WALL-E eindrucksvoll bewiesen, dass Filme keine Dialoge brauchen, um zu funktionieren. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Robotern inszeniert Stanton lediglich durch Blicke, Handlungen und Töne. Mit diesem vollständig computergenerierten Streifen, der mit modernster Technik auf der Höhe der Zeit ist, geht der Regisseur somit zurück zu den Ursprüngen des Kinos. Eine eindrucksvolle Leistung.

Große Filme

Dazu passend zitiert Andrew Stanton große Filme wie “2001″, “Nummer 5 lebt”, “Poseidon Inferno” oder “Der Omega Mann” und macht so das Kino selbst zum Thema. Daneben schafft er es noch, eine romantische, lustige, liebenswürdige und natürlich unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Wall-E ist ein Film, der wirklich von vorne bis hinten unterhält.

Schulnote:

PS Da hätte ich doch fast den exzellenten Soundtrack vergessen… Tata! Mit der Startnummer 1, der Gabriel, der Peter mit “Down to Earth”…

Video: Die perfekte Täuschung

Es ist schon erstaunlich, wie weit sich Spezialeffekte entwickelt haben. Früher sorgte schon eine gut gemachte Matte Painting für offene Münder. Dann kam die Computertechnik. Mit Grausen erinnere mich an “Jumanji”, in dem die Affen und Löwen aussahen, wie einem billigen Computerspiel entsprungen. Doch spätestens seit “Avatar” ist der Einsatz von Computern ausgereift. Ein Unterschied zu realen Kulissen ist eigentlich nicht mehr auszumachen. Dennoch wird immer noch viel Blue- bzw. Greenscreen-Technik eingesetzt, um die Schauspieler an Orte zu transportieren, an denen sie zum Zeitpunkt des Drehs gar nicht waren. Bis jetzt dachte ich, dass diese Technik sofort ersichtlich und vor allem aufs Kino beschränkt ist. Doch ich habe mich getäuscht – wie dieses Video eindrucksvoll beweist.

(via @IchHabeKeinAhnungMehr)

Video: The Top 10 Worst Movie Clichés

Da steckt viel Wahrheit drin :-)

Via (FünfFilmfreunde)

Gesehen: Avatar – Aufbruch nach Pandora

2154. Die Rohstoffe der Erde sind aufgebraucht. Die Menschheit sucht deshalb im All nach Energiealternativen. Auf dem Planeten Pandora wird man schließlich fündig. Doch der Abbau des neu entdeckten Rohstoffs “Unobtanium” erweist sich als schwierig. Die Atmosphäre des Planeten ist giftig und ein Stamm der Na’vis, eine humanoide Spezies, die im völligen Einklang mit der Natur steht, bevölkert ausgerechnet den Teil Pandoras, der den größten Vorrat an Unobtanium aufweist. Der querschnittsgelähmte Ex-US-Marine Jake Sully soll im Körper eines so genannten Avatars Kontakt mit den Na’vis aufnehmen, um sie zur Umsiedlung zu bewegen. Doch dazu muss er erstmal einer von ihnen werden. Mit Hilfe des Na’vi-Weibchens Neytiri Dis’kahan Mo’at’itey lernt er die Verhaltensweisen und Bräuche der Ureinwohner kennen. Doch das geht den Verantwortlichen des Rohstoff-Förderunternehmens nicht schnell genug. Sie wollen lieber eine militärischen Lösung…

Quelle: amazon.de

Meine Güte! Perfekte Effekte, bahnbrechende Animationen und großartiges Motion Capturing. Und das alles in 3D. Die erste Viertelstunde kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Was ein Film! Doch sobald man an der glatt polierten Oberfläche von James Camerons “Avatar” kratzt, wird der Streifen zu einer absoluten Massenware.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Disneys “Pocahontas” und Kevin Costners “Der mit dem Wolf tanzt”. Darüber hinaus zitiert sich Cameron auch noch selbst. So kennt man etwa die von den Marines gesteuerten Roboter schon aus “Aliens”, fluoreszierende Kulissen aus “The Abyss”. Wenig Neues also an der Ideen-Front.

Reichlich deplatziert

Man merkt einfach, dass sich der Regisseur völlig auf die perfekte Technik verlässt. Doch das führt zu Sequenzen, die nur gefilmt wurden, um den 3D-Effekt präsentieren zu können. Das kann man in einem Spaß-3D-Kino machen, das einen 10-Minuten-Streifen zur Belustigung von Freizeitparkbesuchern zeigt. Aber im normalen Kino wirken solche Szenen reichlich deplatziert: Da wird ein Stein lange ins Bild gehalten, ein Golfball rollt gleich zweimal durchs Bild und die Charaktere laufen auch gerne mal zwei Runden durch die ach so tollen Kulissen. Stimmt. Der 3D-Eindruck ist toll. Aber wo soll das hinführen?

Wenn Avatar zum Grundstein für alle zukünftigen Filme wird, dann habe ich Angst ums Kino. Kaum Geschichte, maue Darsteller (Hauptakteur Sam Worthington hat sogar einen Gesichtsausdruck weniger als Keanu Reeves – nämlich gar keinen) und eine Regiearbeit, die nur noch darauf aus ist, einen möglichst tollen Effekt in Szene zu setzen. Alles keine Garanten für gutes Kino.

Charmante Seiten

Dennoch hat Avatar auch charmante Seiten. Endlich ein Film, der Effekte aus dem Computer eben nicht nach Effekten aus dem Computer aussehen lässt. Computer-Dreck sieht hier endlich mal aus wie richtiger Dreck. Und das meine ich wirklich ernst. Auch das Volk der Na’vi reißt einiges raus. Die blauen Männchen und Weibchen sind wirklich sympathisch. Die Action ist ebenfalls handwerklich gut gemacht.

Und so bleibt vom so hoch gelobten revolutionären Film am Ende lediglich Popcorn-Kino übrig, das nur an wenigen Stellen überzeugen kann. Schade. Da wäre mehr drin gewesen. Vielleicht war auch einfach die Erwartungshaltung zu groß.

Schulnote:

Das Ding aus einer anderen Welt: Frei ab 16!

Unglaublich. Wie ich gerade bei schnittberichte.com gelesen habe, ist John Carpenters Film “Das Ding aus einer anderen Welt” vom Index genommen worden und hat jetzt eine FSK 16-Freigabe!

Auch wenn ich die Indizierung schon immer lächerlich fand, halte ich die FSK 16 Einstufung für genauso falsch. Der Film war und ist auch heute immer noch sehr blutig. Die beklemmende Atmosphäre gehört zum Besten, was jemals über die Leinwand geflimmert ist. Und das soll sich ein 16-Jähriger ohne Probleme ansehen dürfen? Na, ich weiß nicht.

Nur mal als Vergleich: Die Extended Version von “Herr der Ringe: Die Gefährten” ist auch ab 16. Da sind in Sachen Brutalität, expliziter Gewaltdarstellung und der bereits erwähnten bedrohlichen Grundstimmung Welten zwischen!

Gesehen: Isch kandidiere!

Horst Schlämmer als Bundeskanzler? So abwegig das klingt, aber einer Forsa-Umfrage zufolge würden unglaubliche 18 Prozent der Bundesbürger Kerkelings Kunstfigur gerne als deutschen Regierungschef sehen.

Quelle: amazon.de

Der „Isch hab Rücken“-Mann scheint zum personifizierten Protest gegen die etablierten Politiker geworden zu sein. Pünktlich zur Bundestagswahl kommt dann auch Horst Schlämmers erster Film in die Kinos. Doch anstatt die Politiker aus der Reserve zu locken oder den Medienzirkus, der sich nicht zuletzt beim TV-Duell Merkel gegen Steinmeier von seiner schlimmsten Seite zeigte, in einer Borat ähnlichen Aufmachung intelligent zu hinterfragen, verliert sich „Isch kandidiere!“ in einer Aneinanderreihung von pseudo-dokumentarischen Filmschnipseln und unterirdisch gespielten Filmsequenzen. Dazu paast, dass die Geschichte komplett ohne Spannungsbogen auskommt.

Horst Schlämmer gründet die HSP-Partei

Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) ist der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts. Doch von diesem Job hat er die Schnauze voll. Ständig wird er von seinem Vorgesetzten gemobbt und die immer gleichen Geschichten und Personen langweilen ihn. Bei einem Interview mit der CDU-Bürgermeisterkandidatin von Grevenbroich kommt ihm dann der rettende Gedanke: „Isch kandidiere! Isch will Bundeskanzler werden, Schätzelein!“

Er gründet die HSP, die Horst-Schlämmer-Partei, die mit ihrer konservativen, liberalen und linken politischen Ausrichtung eine Partei für alle Bundesbürger sein will und gleichzeitig noch so unglaublich innovativ ist. Denn statt rot, grün oder schwarz präsentiert sich die HSP anders: „Wir brauchen eine frische Farbe… Ich hab‘s! Ocker!“ Und damit zieht sie dann auch in den Wahlkampf.
An Schlämmers Seite kämpfen Fotopraktikant Ulle (Simon Gosejohann) und Schauspielerin Alexandra Kamp (als sie selbst) um die Stimmen der Wähler. Dabei trifft er auch immer wieder auf Politiker der anderen Parteien (z. B. Jürgen Rüttgers, Lale Akgün, Claudia Roth, Cem Özdemir) und verwickelt sie in mehr oder weniger lustige Diskussionen um die Zukunft Deutschlands. Gesangseinlagen und schlechte Dialoge runden die platte Geschichte nach unten hin ab. Und der Zuschauer freut sich, wenn endlich der Wahlabend da ist und die HSP sich den nackten Prozentzahlen stellen muss.

Claudia Roth mit Gurken auf den Augen

„Isch kandidiere!“ hat durchaus eine Menge Potential. Hape Kerkeling könnte es als Liebling aller Deutschen mit seiner immer wieder aufkeimenden Intelligenz und seiner entwaffnenden Spontanität sicherlich schaffen, die aalglatten Oberflächen der Politiker zu durchbrechen. Doch dafür bleibt er die ganze Zeit über viel zu brav. Und dabei hat er beispielsweise einen Jürgen Rüttgers schon fast soweit, dass dieser aus seiner steifen Rolle fällt. Aber noch bevor sich der NRW-Ministerpräsident wirklich wehren muss, hört der fiktive Journalist auf, nachzuhaken. Schade.

Glücklicherweise sorgen die anderen Volksvertreter selbst für peinliche Auftritte. Wenn Claudia Roth mit Gurken auf den Augen ständig davon redet, wie schön doch „grün“ sei, ist das für den Zuschauer nur bedingt lustig. Immerhin kommt der Betrachter zu der Erkenntnis, dass Politiker für ein wenig Aufmerksamkeit in Wahlkampfzeiten scheinbar alles machen. Doch diese von den Machern so sicherlich kaum gewollte Entlarvung unserer politischen Akteure bleibt nicht lange im Kopf hängen. Denn schon in der nächsten Szene läuft dann Simon Gosejohann durchs Bild und zeigt eine so schwache schauspielerische Leistung, dass man sich nur noch darüber ärgern kann.

Warum wird ein Moderator nur als Darsteller gecastet? Man weiß es nicht. Und warum gibt man Alexandra Kamp, der jegliches Timing für eine Komödie fehlt, die weibliche Hauptrolle? Auch das weiß man nicht. An mangelnder Auswahl kann es nicht gelegen haben. Aber wenigstens machen sie den Film nicht alleine kaputt.

Gelifteter Po und ehemaliges Penthouse-Pet – ansonsten keine Höhepunkte

Den absoluten Tiefpunkt erreicht „Isch kandidiere!“, wenn Schlagerbarde Bernhard Brink bei einem Abendessen u. a. mit dem Po-gelifteten Jürgen Drews und der ewig 25-jährigen Penthouse (Sil)Ikone Kader Loth den HSP-Song zum Schlechtesten gibt. Auch die völlig uninspirierte Regie von Angelo Colagrossi trägt nicht gerade zu einer Anhebung des Niveaus bei. Der pseudo-dokumentarische Stil funktioniert nur ansatzweise und verläuft ohne jegliche Höhepunkte. Einprägsame Bilder sucht man vergebens. So bleibt eine leidlich lustige und viel zu brave Filmkomödie über die deutsche Politik und ihre Akteure übrig, die zwar einen sympathischen Hauptdarsteller zu bieten hat, aber ansonsten mehr Wünsche unerfüllt lässt, als es einem Wähler lieb sein kann.

Schulnote:
ausreichendminus

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